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Arbeitsrecht: Was darf man machen, wenn man krankgeschrieben ist?

Trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einkaufen, Sport machen oder verreisen – geht das? Und was, wenn der Chef Sie sieht? Drohen dann laut Arbeitsrecht Abmahnung und Kündigung? Viele Arbeitnehmer sind unsicher, was sie während einer Krankschreibung tun dürfen und was nicht. Wir von der Kanzlei Rabe Kirsche & Kollegen in Leipzig klären im Folgenden für Sie alle Fragen rund um die Krank­schreibung.

Was krankgeschriebene Arbeitnehmer laut Arbeitsrecht tun dürfen

Viele Arbeitnehmer kennen das Dilemma: Man ist krankgeschrieben, würde aber gerne hinausgehen an die frische Luft, Einkäufe erledigen, ins Kino oder sogar verreisen. Was aber, wenn man dabei zufällig dem Chef in die Arme läuft? Oder unbeschwert in den sozialen Medien Bilder davon postet? Droht dann Ärger mit dem Arbeitgeber? Wenn das vom Arzt verordnete Nichtstun in Langeweile umschlägt, ist das kein Grund zum Verzweifeln.

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Denn auch krankgeschrieben darf man jede Menge unternehmen, wenn bestimmte Faktoren zutreffen. Verhalten, das die Gesundung fördert, ist laut Arbeitsrecht trotz Krankschreibung erlaubt. Dieses besagt: Genesungswidriges Verhalten ist während der Krankschreibung tabu. Das bedeutet, dass alles, was die Genesung behindert oder verhindert, verboten ist.

Meist handelt es sich dabei um Dinge, die der Arzt explizit untersagt hat. Manchmal aber auch um Aktivitäten, die man mit gesundem Menschenverstand unterlassen würde. Was man darf, wenn man krankgeschrieben ist, hängt also maßgeblich von der Erkrankung ab.

Zulässige Aktivitäten nach Art der Krankheit

Ansteckende Krankheiten oder Erkrankungen, bei denen der Arzt Bettruhe verordnet, sind ein klarer Fall. Trifft das auf Sie zu, sollten Sie das Haus möglichst nicht verlassen. Als Ausnahme gelten der Besuch beim Arzt und in der Apotheke. Schon ein Abstecher in den Supermarkt könnte verhängnisvoll werden.

Sind Sie erkältet, sollten Sie sich schonen. Aber ein Spaziergang an der frischen Luft oder kurze Erledigungen in der Stadt sind in Ordnung und gelten nicht als genesungswidriges Verhalten. Anders sieht es aus, wenn Sie ausgiebig im Fitnessstudio schwitzen oder sich die Nacht beim Feiern um die Ohren schlagen würden. Denn beide Dinge können dazu führen, dass sich die Erkältung verschlimmert. Würde Ihr Arbeitgeber Sie dabei ertappen, könnte Ärger drohen.

Ist die Krankschreibung wegen eines gebrochenen Armes, Rückenproblemen oder Sehnenentzündungen erfolgt, dürfen Sie relativ viel unternehmen. Vorausgesetzt, die Freizeitaktivitäten belasten die erkrankte Körperregion nicht. Ist dies nicht der Fall, dürfen Sie während der Krankschreibung eine Vielzahl an Aktivitäten betreiben, beispielsweise:

  • Der Gang ins Kino
  • Ein Restaurantbesuch
  • Ein Vorstellungsgespräch
  • Oder der Besuch einer Weiterbildung

Auch bei einer Krankschreibung wegen Burn-out, Depressionen oder anderen psychischen Problemen sind viele Freizeitaktivitäten erlaubt. Wichtig ist nur, dass die Tätigkeiten Ihrer Genesung dienen. Sie dürften beispielsweise Sport machen, sich mit Freunden treffen oder in bestimmten Fällen auch verreisen.

Was darf man am letzten Abend vor Wiederaufnahme der Arbeit tun?

Nicht nur die Freizeitaktivität spielt eine Rolle, sondern auch, wann sie ausgeführt wird. Am letzten Abend vor Wiederaufnahme der Arbeit lässt der Status Ihrer Gesundung alle Aktivitäten zu, schließlich gehen Sie am nächsten Morgen wieder zur Arbeit. Folglich dürfen Sie an diesem Abend feiern, Sport treiben oder auf den Weihnachtsmarkt gehen – nichts gilt mehr als genesungswidrig.

Darf der Chef arbeitsunfähige Arbeitnehmer kontrol­lieren?

Dass Arbeit­geber ihre Mitarbeiter kontrollieren und Krank­schrei­bungen infrage stellen, kommt immer wieder vor. Typischerweise wird in Verdachtsfällen der Medizi­ni­sche Dienst der Krankenversicherung einge­schaltet. Arbeitsunfähig gemeldete Arbeitnehmer werden

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anschließend vom Medizi­nischen Dienst vorgeladen und ein ärztliches Gutachten wird erstellt. Einige Arbeitgeber setzen auf andere Methoden (Informationen anderer Beschäftigter, Durchsicht der Aktivitäten in den sozialen Medien oder Detektive). Kommt durch diese Art der Kontrolle heraus, dass Sie gar nicht krank sind, könnte Ihnen wegen Betrugsversuchs eine Kündigung drohen.

Was man auf keinen Fall während der Krankschreibung tun darf

Krank­ge­schrieben bedeutet arbeitsunfähig. Das gilt auch für Nebentätigkeiten oder selbstständige Tätigkeiten. Wenn Sie krankgeschrieben sind, dürfen Sie keinerlei Tätigkeiten nachgehen, um Ihren Verdienst aufzu­bessern. Erfährt Ihr Arbeit­geber davon, dass Sie krankgeschrieben woanders arbeiten, droht eine fristlose Kündigung.

Kündigung wegen Freizeitaktivitäten während der Krankschreibung

Jetzt dürften Sie ein Bild davon haben, was genesungswidriges Verhalten in Ihrem Fall bedeutet. Eine Abmahnung und Kündigung könnten Ihnen dennoch drohen. Grund dafür ist, dass Ihr Arbeitgeber zwar weiß, dass Sie krankgeschrieben (also arbeitsunfähig) sind, allerdings nicht warum. Denn die Erkrankung wird in der Regel geheim gehalten.

Daher kann es vorkommen, dass Vorgesetzte Ärger machen, wenn sie ihre krankgeschriebenen Arbeitnehmer in der Stadt treffen oder in den sozialen Medien neue Bilder von Freizeitaktivitäten sehen. Grundsätzlich gilt aber, dass genesungswidriges Verhalten in aller Regel nicht für eine Kündigung ohne vorherige Abmahnung reicht. Damit eine fristlose Kündigung wirksam ist, müsste es sich um extrem genesungswidriges Verhalten handeln (Beispiel: Sie sind wegen eines Rückenleidens krankgeschrieben und gehen zum Bungee-Jumping). Andernfalls könnte zwar eine Abmahnung oder Kündigung erfolgen, vor Gericht hätte die Kündigung allerdings kaum Bestand.

Tipp: Wenn Sie sich absichern wollen, können Sie besondere Freizeitaktivitäten mit Ihrem Arzt besprechen und sich schriftlich bescheinigen lassen, dass es sich dabei nicht um genesungswidrige Aktivitäten für Sie handelt.
Sollte Ihr Arbeitgeber Sie abmahnen oder sogar kündigen, während Sie krankgeschrieben sind, wenden Sie sich umgehend an unsere Anwälte in der Kanzlei Rabe Kirsche & Kollegen in Leipzig.

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